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Sportklettern oder Seilzugangstechnik?

Wir sollten hier mit einem tiefsitzenden Missverständnis aufräumen:
Es wird unter Geocachern oft von Begriffen wie „Hobby“, „Sportklettern“ und „Industrieklettern“ gesprochen.
Da würden wir gerne den Begriff „Industrieklettern“ streichen und stattdessen „Seilzugangs- und Positionierungstechnik (SZP)“ einsetzen.
Und eben dieses Thema „SZP“ ist keineswegs alleine gewerblichen Industriekletterern vorbehalten, sondern eben auch uns Geocachern.

Nehmen wir einmal den Begriff „Sportklettern“ genauer unter die Lupe:
Ein Sportkletterer „klettert“ an einem Felsen oder zur Not auch in einer Kletterhalle an den Tritten und Griffen hoch. Das können manche Ausnahmekletterer (z.B. Huber Brüder) vollkommen frei (FreeClimbing) und ohne jede Ausrüstung.
Gewöhnlicherweise nutzt aber der Sportkletterer dazu besonders griffige und dünne Kletterschuhe. Er überträgt sein gesamtes Gewicht auf den Kletterfelsen bzw. auf die Klettergriffe in der Kletterhalle.
Dies ist sein „Erstes System“.

Dann nutzt er auch einen extrem leichten und klitzekleinen Sportklettergurt der ihn nicht behindert und ein Dynamikseil, dass er entweder oben (Top Rope) umlenkt oder unterwegs immer wieder (Vorstieg) einclipt und umlenkt. An das eine Ende des Dynamischen Seiles knoten sich der Sportkletterer fest an und an das andere Ende begibt sich ein (möglichst gleich schwerer!) Kletterpartner/in mit einem Sicherungsgerät (z.B.: GriGri, Tuber, Achter, HMS-Sicherung usw.).
Dies ist sein „Zweites System“ – also seine Redundanz.

All das tun die Sportkletterer aus rein sportlichen Ambitionen und allzumeist als Hobby.
Zwar sind wir Geocacher unglaublich sportlich, wenn wir an unsere T5’er herankommen, doch ist das nicht als Sportklettern im ursprünglichen Sinne zu betrachten.
Die allermeisten T5-Geocaches (nicht alle, aber viele…) sind mit den Methoden der Sportkletterei gar nicht zu erreichen, weil nichts zum Treten oder Greifen vorhanden ist, weil wir ja in der Regel nicht an Felsen oder Kletterwänden auf- und absteigen. Wir bauen ein Seil ein und steigen an diesem Seil mit Seilklemmen auf und ab.
Weil wir Geocacher in aller Regel an Seilen und nicht an Felsen oder Klettergriffen rauf und runter- gehen, nutzen wir also die Methoden der Seilzugangs- und Positionierungstechnik. Wir steigen an StatikSeilen auf und kommen an Abseilgeräten runter. Hin und her bewegen wir uns mit Positionierungsmitteln.

Wieso also sollten wir hierbei auf unsere Redundanz verzichten?
Wieso sollten wir das nur mit einem System und somit gefährlicher tun, als ein Sportkletterer das Klettern in der Kletterhalle oder im alpinen Felsen betreibt?

Also ist es doch auch nur konsequent und logisch, dass wir uns an der Unfallforschung orientieren und dann auch die entsprechenden Sicherheitsrichtlinien zugrunde legen und demnach unsere Werkzeuge und Vorgehensweisen vollständig aus dem Bereich der Seilzugangs- und Positionierungstechnik auswählen, um immer unbeschadet bleiben zu können.
Im Bereich der Seilzugangs- und Positionierungstechnik gibt es sehr viele „beinahe Unfälle“, die eben z.B. durch redundante Seile verhindert wurden.
Hervorzuheben ist, dass alle anderen Sicherheitsbestimmungen nur dazu da sind, um das Leben der Anwender zu beschützen!

Wer also glaubt, dass man nur stürzen würde, weil ein Seil reißt, der irrt gewaltig! Es gibt unglaublich viele Gründe, die zu einem Absturz führen könnten, wenn kein redundantes System da sein würde.
Wer weiterhin glaubt, einen Sturz aus einem 3 Meter hohen Baum aus der sitzenden Haltung im „Sitz-!“Gurt unbeschadet überstehen zu können, der sei herzlich eingeladen, sich auf einen Küchentisch zu setzen und einfach rückwärts von der der Tischkannte runter zu rutschen und auf seinem Allerwertesten zu landen. Das sind zwar nur ca. 80cm Höhe, jedoch kann ein solcher Sturz einen Erwachsenen unter Umständen in den Rollstuhl bringen.
Bedenke: Wir landen mit unseren Sitz-Gurten im Sitzen!

Das ist der Grund, warum man eben besser einen Kurs besuchen sollte, in dem wir Seilzugangs- und Positionierungstechnik erlernt, wenn man sicher und ungefährlich T5-Geocaches erreichen möchte. Die Sportkletterei hat mit dem T5-Geocaching nur soviel zutun, wie ein Mountain-Bike mit der Tour-de-France oder ein Holland-Rad mit einem Downhill-Rennen. Das sind alles Radsportarten. Aber wir nutzen unterschiedliche Geräte. Und das mit gutem Grund!

Wir hoffen, dass der Unterschied zwischen „Sportkletterei“ und „Seilzugangs- und Positionierungstechnik“ im Kontext „Hobby“ deutlich werden konnte. Wir hoffen weiterhin, dass dadurch auch eindeutig geworden ist, warum wir die Werkzeuge und Methoden der Seilzugangs- und Positionierungstechnik konsequent benutzen sollten und eben auch die dazugehörigen Sicherheitsbestimmungen beachten müssen.

Viele Grüße und immer ein „Glück ab!“

3 Antworten auf Sportklettern oder Seilzugangstechnik?

  • Thomas Kracker sagt:

    Für mich interessant zu wissen, ist bei der Rettung aus Höhen ein redundanten zweites Seil vorgeschrieben. In der Rettung von Windkraftanlagen scheint dies kein Thema zu sein.
    Wo ist dies EINDEUTIG geregelt.

    Vieleicht könnt Ihr mir da einen Hinweis geben.

    Gruß
    Thomas

  • Daniel sagt:

    Das der Sichernde beim Sportklettern die Redunanz ist klingt irgendwie falsch.

    • Andi sagt:

      Hej Daniel!
      Es mag ja sein, dass es für Dich irgendwie falsch klingt, dennoch ist es so, dass das Seil das zweite System und somit die Redundanz des Sportkletterers ist.
      Das nicht zu erkennen ist eben der große Fehler, den einige Geocacher leider machen.

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