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Abseilsicherungsgeräte

Wir haben für Euch die folgenden Abseilsicherungsgeräte auf Herz und Nieren getestet:

1. ID‘ (Petzl)
2. Rig (Petzl)
3. Stop (Petzl)
4. Indy Evo (Kong)
5. A-B Descender (ISC-Wales)
6. Sparrow (Climbing Technology ct)

In der Kletterfabrik haben Industriekletterer, Höhenretter, T5-Geocacher und Laien immer wieder alle Geräte miteinander verglichen und über ein paar Wochen immer wieder unterschiedliche Szenarien mit allen Geräten durchgespielt. Wir haben dazu von den einfachen Seilen minderer Qualität (10,5 mm Blacksafe „Geocacher Spezial“) über den mittleren Bereich aus dem Hause Tendon bis hin zu Hochqualitäts-Seilen (Z.B. Edelrid „Superstatik“  oder sogar Courrant „Ultima“) unterschiedliche Seiltypen genutzt. Das Ergebnis ist klar und auf allen Seilen reproduzierbar.

 

Zusammenfassung der Teste:

1. ID‘ (Petzl)

Der Klassiker inzwischen. Es tut ruhig und besonnen seinen Dienst. Solange man nicht in allzu schmutzigen Umgebungen arbeitet, ist es sehr gut. Es ist zuverlässig und lässt sich vor allem mit großen Lasten (schwere Anwender + ggf. Rettungslast) sehr gutmütig steuern. Die Anti-Panik-Sicherung ist im Arbeitsalltag für den trainierten Anwender eher störend und immer wieder hinderlich, wenn mal schnell Seil ausgegeben werden muss. Man kann auch mit diesem Abseilsicherungsgerät aufsteigen. Es ist aber spürbar schwergängiger bei solchen Anwendungen, als die die anderen Geräte im Test.

 

2. Rig (Petzl)

Das Rig ist der kleine Bruder vom ID‘ und macht daraus auch kein Geheimnis. Es ist für den schweren Anwender und für das benutzen mit Rettungslast eher schlecht geeignet. Der Hebel ist erheblich kleiner als beim ID‘, was dazu führt, dass man nicht allzu bequem die Anfahrtgeschwindigkeit steuern kann. Anwender unter 80 Kg Eigengewicht können aber sehr entspannt mit diesem Gerät arbeiten. Schwerere Anwender schätzen den Komfort des größeren ID’s dann doch sehr! Beim  Aufstieg am Seil ist das Rig nutzbar aber kein Luxus. es ist deutlich preiswerter als das ID‘ und daher wegen des deutlichen Preis/Leistungs- Verhältnisses in Ordnung.

 

3. Stop (Petzl)

Ein klassisches Abseilsicherungsgerät für den Puristen. Es ist im harten und sehr schmutzigen Umfeld zuhause. Völlig ohne jeden SchnickSchnack kann quasi nichts an diesem zuverlässigen Arbeitstier kaputt gehen. Nicht umsonst ist es ein Standart-Gerät in der internationalen Industriellen Seilzugangstechnik. Luxus, Komfort und besondere Sicherheitsmerkmale (Antipanik-Sicherung etc.) lässt es zugunsten einfachster Bauform und geringen Gewichtes vermissen. Es tut, was es soll – aber mehr auch nicht.

 

4. Indy Evo (Kong)

Von der Bauart extrem an das Petzl-STOP erinnernd ist der Indy-Evo von Kong scheinbar lediglich mit der Antipanik-Sicherung nachgerüstet worden. Diese wirkt etwas lieblos an die Seite gedengelt. Es arbeitet mit einer gewissen Kong-üblichen Zuverlässigkeit – also nur fast gut. Mit sehr viel Kraftaufwand bekommt der schwere Anwender das Gerät zum Fahren. Dann aber auch gleich mit Vollgas! Ein wohldosiertes Fahren ist nur schlecht möglich. Kong hat es leider mit Nichten geschafft, das STOP mit dem Indy-Evo zu übertrumpfen.

 

5. A-B Descender (ISC-Wales)

Der ganz klare Sieger dieses Vergleichswettkampfes! Der A-B Descender ist von einfachster Bauart und dennoch haben die Entwickler aus Wales es hinbekommen, Design, Qualität, Robustheit unter dem Mantel der Simplizität zu einem hochfunktionalen, leicht bedienbaren und extrem zuverlässigen Produkt zu vereinen. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist angesichts der Leistungsfähigkeit (z.B. Belastung bis 300 Kg!!!!) überragend! Es ist wertig gebaut, dennoch leicht und handlich, lässt sich sehr gut bedienen und ist insbesondere wegen des ausklappbaren Hebels so angenehm zu bedienen wie ein Caramel-Desert mit einem Luxus-Löffel. Besonders leichte Anwender (u. 60 Kg) allerdings bekommen das walisische Luxusteilchen kaum in Fahrt, weil es so hervorragende Bremswerte auf jedem Seil hat. Alle andern schätzen diese Bremswirkiung sehr, da sie dafür sorgt, dass wir besonders wohldosiert fahren können. Ein Aufstieg am Seil war mit keinem der anderen Geräte im Rennen derart leicht und bequem. Lediglich ein kleiner Nachteil: Wenn man das unbelastete Gerät leicht schief hält, sodass der Hebel blockiert wird (z.B. beim Umstieg von Bruststeigklemme ins Abseilsicherungsgerät) bremst der A-B-Descender nicht, sondern bleibt unverriegelt. Gute Fahrt! Aber darauf kann man ja achten… Und man hat ja noch ein mitlaufendes Sicherungsgerät am zweiten Seil.

 

6. Sparrow (Climbing Technology ct)

Am Sparrow klebten die größten Hoffnungen vor dem Test. Sollte es doch das ID‘ vom Thron stoßen. Schon beim Auspacken aus dem Karton wurde klar, dass das wohl nichts wird. Die unterschiedlichen Materialien wirken lieblos zusammengepresst. Das Seil lässt sich nur unbequem und in anderer Richtung als bei allen anderen Geräten im Test einlegen. Mehr als etwas gewöhungsbedürftig ist die Bedienung des Hebels mit der Antipaniksicherung/freieFahrt/Antipaniksicherung – Stellung. Es macht nicht den Eindruck, als wäre das so gewollt sondern ein lästiges aber schöngeredetes Übel á la „It’s not a bug – it’s a feature!“  Es wirkt im ganzen unausgegohren und unhandlich. Weder ein Designpreis noch ein Orden wegen des Preis/Leistungs-Verhältnisses sind für die Herren von CT zu erwarten. Der angekündigte ganz große Wurf kam nicht über.

 

Fazit:

Mit großem Abstand hat der A-B-Descenter von ISC-Wales die Konkurenten besiegt bzw. zum Teil deklassiert. Das war einhellige Meinung aller am Test beteiligten Profis und Laien. Zwar sagten die meisten Anwender des ID‘, das sie nicht unbedingt nun die Geräte tauschen würden, jedoch haben manche das ID‘  in Material-Öse auf die ReserveBank verbannt. Die meisten Rig-Anwender nutzen ihr Gerät weiter, weil die Anschaffung eines weiteren Abseilsicherungsgerätes für sie nicht im Einkaufsplan steht. Für alle Neuanschaffer und Erstausrüster empfehlen wir nach diesem wirklich breiten und umfangreichen mehrwöchigen Testverlauf eindeutig die Anschaffung des A-B Descendes von ISC-Wales.

2 Antworten auf Abseilsicherungsgeräte

  • Nik sagt:

    Ganz wichtig:

    Der Hebel beim Stop (Petzl) und Indy Evo (Kong) sind nicht dazu gedacht wohldosiert zu bremsen!!! (Siehe Bedienungsanleitung der Geräte). Die Abseilgeschwindigkeit wird ausschließlich mit der rechten Hand am Seil geregelt. Im Normalfall hängt man noch einen Bremskarabiner mit ein und zwar in den gleichen Karabiner, in dem das Abseilgerät befestigt ist.
    Regelt man die Abseilgeschwindigkeit über den Hebel leidet das Seil und das Abseilgerät sehr.
    Es gibt nur 2 bzw. 3 Stellungen (Stop, Abseilen bzw. Stop, Abseilen, Stop).

  • Vielen Dank 😛 Ihr Test der Abseilgerät, hat mir sehr bei meiner Entscheidung geholfen 😆 Gruß Frank ——- A-B Descenter

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